Ile Gorée

Ile Gorée

Gorée (französisch Île de Gorée, englisch Goree, spanisch Gorea, italienisch Gorea, niederländisch Goeree, aus niederländisch Goede Reede – Sicherer Hafen) ist eine Insel vor der Küste Senegals, zu dem sie gehört. Sie wurde als Sklaveninsel bekannt und soll bis zum Verbot der Sklaverei im Jahr 1848 der Verschiffung von Sklaven gedient haben, deren Zahl sich nach Untersuchungen aus den 1990er Jahren für Gorée allerdings nur auf jährlich 500 belaufen haben dürfte.


Seit 1978 steht die Insel als Weltkulturerbe unter dem besonderen Schutz der UNESCO.


Die Insel erstreckt sich auf 36 Hektar, ist etwa einen Kilometer lang und 300 Meter breit. Sie liegt etwa drei Kilometer vor der senegalesischen Hauptstadt Dakar auf der dem Atlantik abgewandten Seite des Cap Vert, der westlichsten Spitze Afrikas. Gorée kann über eine Personenfähre vom Hafen Dakars aus erreicht werden.


Die Insel dokumentiert die wechselhafte Geschichte der westafrikanischen Kolonien. Der historische Ruf der Insel, bedeutender Ort der Sklavenverschiffung nach Amerika gewesen zu sein, gilt spätestens seit 2006 durch die Arbeit von Jean Luc Angrand „Céleste ou le temps des Signares“ als endgültig widerlegt.


Bis in die 1990er Jahre und teilweise noch heute kolportierte Version: Als berühmt wurde insbesondere das letzte noch erhaltene Sklavenhaus (Maison des Esclaves) vorgestellt, das 1776–1778 errichtet worden sein soll und heute als Museum zur Geschichte der Sklavenverschiffung in Westafrika dient. Die Kellerräume wurden als Verliese dargestellt, in denen die Sklaven vor der Verschiffung hätten ausharren müssen, sowie ein Durchlass zum Meer als porte sans retour („Tür ohne Wiederkehr“) vorgeführt, durch den die Sklaven auf die Schiffe nach Amerika „verladen“ worden seien.


Korrigierte Version seit 1996: Seit 1996 ist diese Darstellung als Mythos anzusehen, der von Boubacar Joseph Ndiaye, einer angesehenen senegalesischen Persönlichkeit (gestorben im Februar 2009), als langjährigem Leiter des „Maison des esclaves“ und touristischem Führer in poetischer Weise ausgeschmückt und angereichert worden sei. Durch neuere Forschungen untermauert, wird inzwischen die Insel nicht mehr als Zentrum der Sklavenverschiffung angesehen. Es sollen tatsächlich „nur“ 500 Sklaven jährlich über Gorée verschifft worden sein. Das angebliche „Haus der Sklaven“ und die Verschiffung von dort aus ist nach den Arbeiten von Abdoulaye Camara und Joseph Roger de Benoist aus Dakar heute so einzuschätzen: Es handle sich um ein von Franzosen 1783 errichtetes bürgerliches Handelshaus mit Wohnungen und Büroraumen im ersten Stock; im Erdgeschoss hätten Haussklaven gearbeitet. Handelsgegenstände seien Gummi arabicum, Elfenbein und Gold gewesen. Nie sei das Haus Ausgangspunkt der Sklavenverschiffung gewesen, wie das Joseph Ndiaye mit dem Vorführen der aufs offene Meer führenden „Tür ohne Wiederkehr“ darstellte. (Es hätten dort wegen der Felsen gar keine Schiffe anlegen können.) Die symbolische Bedeutung als Erinnerungsort für den Sklavenhandel wird von den neueren historischen Forschungen nicht verneint, aber mit anderer Gewichtung versehen.

Von entscheidend wichtigerer Bedeutung für den Sklavenhandel waren Häfen wie Saint-Louis (Senegal) sowie solche im Golf von Guinea und in Angola.